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Vision Summit Berlin 09 - ein Fazit
Zunächst für uns das Wichtigste. So eine Veranstaltung wie der Vision-Summit Berlin 09 in der freien Universität Berlin macht Mut. Macht Mut, dass es so viele Menschen gibt, die wie wir denken, dass eine menschlichere (Wirtschafts)Welt möglich ist und daran praktisch arbeiten. Dass "Arbeit nicht als eine leichte Krankheit empfunden werden muss" (Zitat Prof. Bergmann), dass "die Bretter vor dem Kopf die Welt bedeuten" (Zitat Prof. Faltin), dass unser Ziel sein muss "unsere Welt unserer nachfolgenden Generation besser zu hinterlassen, als wir sie übernommen haben" (Friedensnobelpreisträger Prof. Yunus), dass "die Bildung des 21. Jahrhunderts anders aussehen kann, als mit Lehrern des 20. Jahrhunderts und mit Methoden des 19. Jahrhunderts zu unterrichten"(Zitat Otto Herz).
Ganz besonders Mut machte mir persönlich die Äußerung Prof. Bergmanns, dass nicht wenige (Wirtschafts)politiker nach dem 3ten Martini ihren eigenen Reden nicht mehr glauben und nach dem 4ten "geistreiche Gespräche" möglich sind. Vielleicht sind wir dann gar nicht mehr so weit davon entfernt, dass künftig mehr Bewegung, Geist (in aller Nüchternheit), Sinn und Werte unsere Lebens- und Arbeitssituation prägen?
Was wäre, wenn immer mehr Menschen nicht nur über Banker und bestimmte Manager schimpfen (das macht zwischenzeitlich die überwiegende Mehrheit), die Wirtschaftskompetenz (und vor allem den Fahrersitz!) den "Großen" überlassen, sondern mit "neuer Arbeit" Akzente setzen, Mitsprache einfordern und sich dem Wettbewerb besserer Ideen stellen. Schätzen und vergessen wir dabei nicht, was andere schon für Vorarbeit geleistet haben: es war ein leidenvoller und gefährlicher Weg bis zur Demokratie und Freiheit. Denn auch wenn vieles verbesserungswürdig ist, manche Mauern sind gefallen und machen es bei uns heute gefahrlos wie selten möglich, sich mit den "Oberen" anzulegen! Es macht Mut, dass unsere "Großen" zwar (noch) weitreichende Macht haben, aber auf Wirtschaftsweise, Experten und Modelle vertrauen, welche ihre weitgehende Nutzlosigkeit in der Krise unter Beweis gestellt haben. Entrepreneurship heißt deshalb auch, mit geistreichen Konzepten die Herausforderung der Zeit anzunehmen. Aber nicht, um als Unternehmer sich und andere "selbst und ständig" auszubeuten, sondern das zu schaffen, was Leben lebenswert macht. Damit kein Missverständnis aufkommt: Ein Glücks-, Spaß- und Konsumparadies ohne Anstrengung und Probleme ist weder natürlich noch möglich - aber ein Leben und Arbeiten mit mehr Balance. Es braucht kurze und lange Arbeitstage, Streit und Versöhnung, Wettbewerb und Solidarität, Einzelinitiative und Kooperation, klassische und neue Arbeitsverhältnisse - es braucht nicht nur neues Denken, sondern auch mehr Fühlen und mutigeres Handeln und mehr Vertrauen in Intuition und gesunden Menschenverstand!
Hätte ein, heute so vielgerühmter, "einfacher, ehrbarer Kaufmann" Vertrauen in den Opel/Magna Deal gehabt? An den vielen Konzepten, Verlautbarungen, aber dem wenig Greifbaren, Verbindlichen? Würde ein Mensch mit gesundem Menschenverstand darauf setzen, dass mit neuen Schulden wieder alter Wohlstand in einer veränderten Welt einkehrt? Oder wer würde auf die Stabilität von Systemen und Gesellschaften setzen, bei denen bestimmte "Häuptlinge" das 1000-fache "verdienen" als der Rest. Um diese Fragen zu beantworten, braucht es keine großen Kenntnisse der Betriebs- und Volkswirtschaft.
Nach diesen grundsätzlichen Gedanken, noch einige Details. Denn nach dem Vison Summit geht es wieder an die Arbeit mit unseren Kunden. Diese erwarten zurecht von uns messbare Ergebnisse. So finde ich es wichtig, dass ein Kongress mit dem Namen Vision Summit Akzente setzt, Standpunkte besetzt, plakativ polarisiert. Aber es geht auch darum, das Erlebte zu bewerten, zu integrieren und anzuwenden - Nutzen zu ziehen.
Deshalb nun nach soviel Positivem auch ein wenig Kritik. Manche der hier vorgestellten Gedanken sind alter Wein in neuen Schläuchen - beispielsweise sind Arbeitsteilung und Fokusierung bewährte Erfolgskonzepte. Manches wurde für mich zu schwarz-weiß gemalt, nicht jeder erfolgreiche Entrepreneur ist werteorientiert und "tut der Gesellschaft und den Menschen Gutes". Auch zielt die Aussage, "jeder hat das Zeug zum Entrepreneur" ähnlich der Aussage Joseph Beuys, "jeder Mensch ist Künstler" in die richtige Richtung, ist aber in der Realität nicht für jeden Gründer hilfreich. Es gibt durchaus Menschen, die sich in der Rolle eines Entrepreneurs wohler fühlen als andere. Nicht jeder Mensch muss Entrepreneur werden, um ein erfülltes Arbeitsleben zu haben, um seine Beruf-ung zu finden. Manches wurde vielleicht überbewertet - z.B. entscheidet über Erfolg einer Geschäftsidee häufiger die Persönlichkeit der beteiligten Menschen als das Konzept. Das chinesische Sprichwort, "wer ein Geschäft aufmachen möchte, sollte ein freundliches Gesicht haben" ist richtig. Deshalb braucht es (nüchtern) Begeisterte: Menschen, die etwas bewegen möchten, die brennen und die Flamme weitertragen. Es braucht Kommunikationsfähigkeit, persönliche Energie und Ausstrahlung, um im Geist des Entrereneurship an einer besseren Welt zu bauen und erfolgreich Geschäfte zu gründen und zu führen! Und vergessen Sie bitte niemals: Es braucht immer viele Dinge, die nicht in unserem Einflussbereich liegen. Niemand kann erfolgreiches Entrepreneurship garantieren. Deshalb sind Dankbarkeit und Demut wichtige, aber leider oft vergessene Tugenden!
Übrigens wer dafür einen Beweis braucht, dass Persönlichkeit entscheidet, konnte diesen auch auf dem Kongress finden. Es war offensichtlich: Nicht die reinen Themen begeisterten, sondern die Referenten. Das zeigte sich selbst bei den Teilnehmerzahlen bestimmter Workshops nach dem Auftreten der Refernten bei der Vorstellungrunde.
Das inspiriert mich zu folgendem Gedanken:
Es kommt wenig Licht in die Welt durch einen hellen Kopf, der nicht nach außen strahlt.
09.11.2009 | Rubrik: Kommunikation | 0 Kommentare
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